Mein 2. offizieller Wettkampf stand heute an und zwar in der niedersächsischen Hauptstadt. Hannover liegt immerhin knapp 125km von Bremen entfernt. Wir haben uns um kurz vor 9 auf den Weg gemacht – der Lauf begann um 13Uhr. Startunterlagen mussten noch abgeholt werden und wir wollten uns auch noch ein bisschen umschauen. Nun kommt auch schon der Vergleich mit dem 10km-Lauf beim swb-Marathon vom letzten Jahr in Bremen. Die Organisation ist bei beiden Veranstaltungen eigentlich gleich gut. Die Strecken haben mir auch beide gefallen.

Was ich in Hannover super finde, ist die riesige Teilnehmerzahl. 2082 (1598 Finisher) angemeldete Läufer beim Marathon, 6019 (4762 Finisher) beim Halbmarathon und sogar 3452 (2836 Finisher) beim 10-km Lauf!

In Hannover war auch der Start/Ziel Bereich viel dekorativer, nämlich direkt neben dem wirklich tollen Rathaus. Bremen hatte seine Vorzüge mit den Messeständen. Die waren viel größer und schöner. In Hannover war nur ein weißes Zelt, mit ein paar Ausrüstern ausgestattet, aufgestellt worden. Dementsprechend habe ich leider auch nichts geshoppt.

Wir waren also gegen 10:30Uhr mit dem Abholen der Startunterlagen fertig und schon inspizierte ich den Turnbeutel. Ist ja immer wie Geschenke auspacken. Drin war ein WASA-Sandwich, eine Probe Funktionswäsche-Waschmittel von Perwoll und 5 oder 6 Werbeheftchen. Nicht gerade üppig, wie ich finde.

Nachdem wir uns noch ein bisschen weiter umgeschaut hatten sind wir zum “Start/Ziel”-Bereich und zwar gleich zum richtigen Zentrum. Die ersten Marathonis sollten gleich einlaufen – klar… nach knapp über 2 Stunden.. völlig verrückt! Der nicht wirklich überraschende Sieger heißt Yussuf Songoka aus Kenia mit einer Zielzeit von 02:08:52h. Bei den Damen gab es eine kleine Überraschung, denn dort gewann keine Afrikanerin, sondern Kateryna Stetsenko in 02.31:26h. Im Übrigen wurde ausgerufen, dass 5 Läufer schneller waren als der Beste der letzten Woche beim Hamburg-Marathon!

Die Stimmung allgemein war wirklich sehr gut – also entschlossen wir uns auch den Halbmarathon-Start anzuschauen, um vielleicht sogar Andy zu erspähen. Bei über 5000 Läufern war das aber wohl nur Wunschdenken :-) Nachdem auch der letzte Läufer den Start-Bereich verlassen hatte, machten wir uns auf den Weg – ich musste mich ja noch umziehen, dehnen und warmlaufen und schon war es kurz vor 13Uhr. Also schwupps in den Startbereich. Doch wohin? In Bremen bin ich fast als letzter gestartet, was den Vorteil hatte, dass ich sehr viele Läufer überholt habe, aber selbst kaum überholt wurde. Der Nachteil war allerdings, dass ich die ersten 1,5km nicht mein Tempo gehen konnte. Mein Tempo? Was genau ist denn mein Tempo? Das habe ich letzte Woche hier ungefähr definiert :-) Mutig entschloss ich mich dazu, mich am Ende des zweiten Drittels in den Block zu stellen. Die Nachteile wurden zu Vorteilen und die Vorteile nicht wirklich zu Nachteilen, denn ich schätze, dass ich ca. im 50/50-Verhältnis überholt habe und überholt worden bin.

Schon kurz nach dem Start merkte ich, dass heute irgendwas anders ist. Mein Magen fühlte sich irgendwie schwer an (er ist von Haus aus schon riesig, aber heute war es noch ein anderes Gefühl), dieses Gefühl wurde ich im Rennen leider auch nicht mehr los.

Der erste Kilometer war in Ordnung und machte mir überhaupt keine Probleme. Bei Kilometer Nummer 2 merkte ich irgendwie aufsteigende Hitze in mir.. keine Ahnung warum, aber mein Kopf war ganz heiß :-) Kilometer Nr.3 – ich fand endlich einen Läufer der in meinem Tempo lief. Es war ein Mädel um die 30, leider habe ich die Startnummer vergessen. Bis Kilometer 5 lief ich ca. 5 Meter hinter ihr und war genau in meinem Tempo. Was macht sie??? Bleibt stehen!! murmelt ganz leise “ich brauch eine Pause”. Ich war wirklich kurz davor stehen zu bleiben, zum Glück hat mein Kopf geschaltet. Ich war so fixiert auf ihr Tempo, sehr merkwürdig. Ab Kilometer 6 wurde es schwer. Ich wollte noch einen Kilometer nach Vorgabe laufen und dann mir im Kopf meine Zielzeit ausrechnen.. völlig bekloppt ;-)

Kilometer 7 & 8 waren einfach typisch für Kilometer 7 & 8 :-) Es gab mal eine Studie wo festgestellt wurde, dass beim 10km-Lauf der letzte Kilometer der schnellste, der Erste der zweitschnellste und Kilometer 7 & 8 die langsamsten sind (im Durchschnitt). War ja wieder klar, dass genau das Muster heute auf mich passte.

Nur noch 2km, dann hast du es geschafft. Ich wurde wieder etwas schneller und rechnete -

Sub60 kannst du vergessen (war ja auch nicht geplant – wäre aber schön gewesen), persönliche Bestzeit? Durchaus möglich, wenn du verdammt noch mal nicht langsamer wirst. Auf zum letzten Kilometer, doch die Beine sind so schwer – nee alles ist doof. Es ist schrecklich zu merken wie man immer langsamer wird. Wie? Nur noch 300m?

Und dann ging alles ganz schnell und das Ziel kam immer näher, schaute hoch und sah die 1:02:xxh (Brutto) – setzte zum Spurt an – versuchte eine Mitläuferin zu motivieren – sie gab Gas, aber den Endspurt auf den letzten 150m liebe ich und dort würde ich mich auch nur ungern überholen lassen ;-)

Vorbei! Geschafft! Du hast was vergessen, aber was? Der Blick fiel auf mein Handgelenk und ich stoppte meinen FR305 8 Sekunden zu spät. Na toll, dann weiß ich meine Nettozeit halt nicht! Durch Rumrechnerei bin ich in die Nähe gekommen und Christian hat mir dann fix die Zeit bei Facebook durchgesagt. Es ist eine neue PB mit 01:01:46h.

Die Heimreise war ganz entspannend und nun freue ich mich schon auf meinen nächsten Wettkampf!